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Rübsam, Rolf: Kinder dieser Stadt - Begegnungen mit ehemaligen jüdischen Bremern. Donat-Verlag, Bremen, 2005

antiquarisches Einzelstück, 190 Seiten, 357 g, Preis inklusive Versand in Deutschland: 24 €

Immer wieder besuchten während der vergangenen Jahre ältere Menschen ihre Heimatstadt Bremen, Überlebende des Holocaust und Menschen aus Bremen, die das Glück hatten, rechtzeitig vor der Vernichtung den rettenden Weg ins Ausland zu finden. Schülerinnen und Schüler hatten Gelegenheit, ihre Lebens- und Leidensgeschichte vermittelt zu bekommen, als Mahnung für den Zukunftsweg. Am 09. August stellte Rolf Rübsam, pensionierter Lehrer aus Lesum, ihre Geschichte vor, gesammelt in einem Buch unter dem Titel "KINDER DIESER STADT". Ausgangspunkt dieser von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Landeszentrale für Politische Bildung, Donat-Verlag und Stadtbibliothek Bremen getragenen Veranstaltung bildete die Ausstellung "Blickwechsel - Christen und Juden" in der Gemeinde "Unser Lieben Frauen."

"Eindringlich und voller Zurückhaltung", dabei "voller Liebe zu ihrer Heimatstadt", schilderte sie Bürgerschaftspräsident Christian Weber unter dem Eindruck von Begegnungen mit jüdischen Butenbremern späten Alters. Antisemitismus, so warnte er, ist nicht erst in unserer jüngsten Vergangenheit aufgekommen.

Hans Koschnick betonte die Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Stadt Bremen. Begegnungen mit Überlebenden in Israel in den 70er Jahren hätten ihm erst klar gemacht, wie sehr sie in der deutschen Klassik verwurzelt waren, an der sie großen Anteil hatten. Als Kinder noch wurden sie plötzlich aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Ihnen blieb nur die stille Sehnsucht, weiter der kulturell-geistigen Umgebung anzugehören.

Erfahrungen in Gesprächen mit Jugendlichen konnte auch Sonja Sonnenfeld aus Stockholm sammeln. In Schulen berichtet sie regelmäßig aus ihrem Leben als Jüdin im Deutschland des "Dritten Reiches", lange Zeit geschützt durch ihren schwedischen Pass.

Die Menschen wandelten sich von einem Tag auf den anderen, berichtete sie aus dem Berlin der 30er Jahre. Behutsam zeichnete Rolf Rübsam seine Begegnung mit den BesucherInnen nach. Es sei ihm schwer gefallen, Schicksale zu beschreiben. Lotti Abraham (81) konnte mit einem Kindertransport nach England entkommen, ihre Eltern kamen wahrscheinlich 1941/42 in Minsk um. Henry Guthmann entkam nach Recife/ Brasilien. Er war verwandt mit dem 1938 ermordeten Arztehepaar Adolf und Martha Goldberg. Bremen besuchte Guthmann lange Jahre regelmäßig bis zu seinem Tode 1998. Er käme, solange sie noch jung seien, sagte er mit 94 Jahren. Steine aus dem Weserstadion auf seinem Grab, war sein letzter Wunsch. Er war in den 20er Jahren einer der schnellsten Mittelstreckenläufer. Hanna Aber, die Tochter des Rabbiners Leopold Rosenak, kam kurz vor ihrem Tode 1994 noch einmal zurück nach Bremen. Vergessen werde sie nie, aber auch nicht hassen. Jacob Wiener, Rabbiner und Sohn Selma Zwienickis, suchte das Grab seiner am 09. November 1938 ermordeten Mutter. Golly Grünberg folgte den Spuren der (nicht-jüdischen) Mutter, die ihren Mann nach Theresienstadt und in den Tod begleitete. Nicht jeder hatte den Mut, die Heimatstadt wiederaufzusuchen. Mancher schickte erst die Kinder und fand dann doch den Weg zurück.

Inhalt

Zum Geleit
Einleitung - "Aber der Schmerz ist nicht vergangen..."
Annäherungen
"Heimatzwitter" - Lebensgeschichte des ehemaligen Spitzensportlers Henry Guthmann
Hanna Aber - Rückblick auf Bremens jüdische Vergangenheit
Rabbi Jacob Gerd Wiener - Erinnerung an Selma Zwienicki
Mary Posnansky - Jugend in Bremen
"Transportkinder" - Charlotte Abraham, Dörte und Ursula Körbchen
Golly Grünberg - In Auschwitz und auf dem "Todesmarsch"
Lehrstunden
Erfahrungen - Hoffnungen - Brücken
Juden in Bremen
Die Israelitische Gemeinde Bremen
Rede von Senatorin Hilde Adolf zum Empfang jüdischer ehemaliger Bremerinnen und Bremer
Anmerkungen
Literatur- und Quellenverzeichnis
Bildnachweis
Personenregister